BASKERVILE

„Wie dieses oder jenes Wort geschrieben wird, darauf kommt es doch eigentlich nicht an, sondern darauf, daß die Leser verstehen, was man damit sagen wollte.“
Goethe


Was ist Baskerwile

Baskervile ist eine Schrift. Genauer gesagt eine modifizierte Version von Libre Baskerville (gestaltet von Pablo Impallari und Rodrigo Fuenzalida, Impallari Type). Über ein OpenType-Feature werden im gesetzten Text automatisch Rechtschreibfehler erzeugt. Die Fehler macht nicht die schreibende Person. Die Fehler macht die Schrift.


Ok... Und Wozu?

Wer nicht normgerecht schreibt, gilt schnell als weniger intelligent, weniger seriös, weniger glaubwürdig. Das trifft besonders Menschen mit Legasthenie und Menschen, deren Erstsprache nicht Deutsch ist. Für Kinder mit Legasthenie wiegt das schwer: Sie haben ein deutlich erhöhtes Risiko für psychische Belastungen, häufig als Folge von Ausgrenzung und Stigmatisierung.

Baskervile will keine Legasthenie simulieren. Das kann keine Schrift. Legasthenie hat neurobiologische und genetische Ursachen und zeigt sich bei jedem Menschen anders. Ein typisches Fehlerbild gibt es nicht, und kein einzelner Fehler beweist eine Legasthenie. Die Abwertung, die auf sichtbare Fehler folgt, hat dagegen gesellschaftliche Ursachen. Dort setzt Baskervile an.



„Baskervile zeigt nicht, wie sich Legasthenie anfühlt. Die Schrift zeigt, wie es sich anfühlen kann, wegen Rechtschreibfehlern beurteilt zu werden.“




Dr. Livia R. Pailer-Duller, Vorstand, Dachverband Legasthenie Deutschland e.V.
legasthenieverband.org





Rechtschreibung abschaffen?

Es gibt natürlich Situationen, in denen Rechtschreibung wichtig ist, damit keine Missverständnisse entstehen oder Informationen schnell ankommen. Aber in den meisten Fällen versteht man das Geschriebene auch mit Rechtschreibfehlern. Und seien wir doch mal ehrlich: Wer von uns ist sich schon bei jedem Wort hundertprozentig sicher, wie es geschrieben wird?

Vielleicht sollten wir alle den Mut fassen, zu unseren Rechtschreibfehlern zu stehen, anstatt jede unwichtige Mail von einer KI korrigieren zu lassen, aus Angst, man könnte uns für dämlich halten, weil wir nämlich mit h geschrieben haben. Eigentlich machen so ein paar Rechtschreibfehler eine Mail doch gleich viel symphatischer. Sympathischer? Symphathischer? Egal... Ihr wisst, was ich meine.



Bewerte einen Text nicht aufgrund seiner Rechtschreibung, sondern aufgrund seines Inhalts.


Wie funktioniert Baskerwile?


Baskervile greift an den Stellen der Rechtschreibung ein, die man nicht hören kann, sondern wissen muss. Aus tt wird t, aus ck wird k, aus ie wird i, aus v wird f oder w, Großbuchstaben werden zu Kleinbuchstaben und das stumme h verschwindet. Fehler, die allen passieren können.

Schriften können zwei oder mehr Buchstaben automatisch durch eine sogenannte Ligatur ersetzen, ein eigenes Zeichen, das für eine bestimmte Kombination steht.
Das klassische Beispiel ist das ff. Für alle Doppelkonsonanten habe ich Ligaturen gebaut, die nur aus einem einzigen Buchstaben bestehen. Die Schrift ersetzt also tt automatisch durch t, mm durch m, und so weiter.


Beim stummen h war es kniffliger, und es zeigt gut, wie komplex diese Regeln werden können. Hier nutze ich kontextbasierte Alternativen (calt): Das h wird nur dann durch eine leere Glyphe ersetzt, also unsichtbar gemacht, wenn es nicht am Wortanfang (also nach einem Leerzeichen) steht und kein Vokal folgt. In „gehen“ bleibt es, weil man es hört. In „steht“ oder „geht“ verschwindet es, weil es dort stumm ist.





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