BASKERVILE

„Wie dieses oder jenes Wort geschrieben wird, darauf kommt es doch eigentlich nicht an, sondern darauf, daß die Leser verstehen, was man damit sagen wollte.“
Goethe


Was ist Baskerwile?

Baskervile ist eine Schrift. Genauer gesagt eine modifizierte Version von Libre Baskerville (gestaltet von Pablo Impallari und Rodrigo Fuenzalida, Impallari Type). Über ein OpenType-Feature werden im gesetzten Text automatisch Rechtschreibfehler erzeugt. Die Fehler macht nicht die schreibende Person. Die Fehler macht die Schrift.


Ok... Und Wozu?

Rechtschreibnormen bewerten Gedanken nach ihrer Form, nicht nach ihrem Inhalt. Wer nicht normgerecht schreibt, gilt als weniger intelligent, weniger seriös, weniger glaubwürdig. Das betrifft besonders Menschen mit Legasthenie oder nicht-muttersprachlichem Hintergrund. Das Problem liegt nicht bei ihnen. Es liegt im System, das sie bewertet.




Baskerwile lässt Menschen ohne Rechtschreibschwäche spüren, wie unangenehm es ist, für falsche Rechtschreibung verurteilt zu werden.




4%–12%

aller Menschen im deutschsprachigen Raum sind von Legasthenie betroffen. Allein in Deutschland sind das rund 3,5 Millionen.

Quelle: Universität Würzburg



40%

der Kinder mit Legasthenie erkranken psychisch. Nicht wegen Legasthenie. Wegen der Stigmatisierung durch ihre Mitmenschen.

Quelle: Universität Würzburg



27%

aller beruflichen ChatGPT-Anfragen sind reine Korrekturanfragen.

Berechnung auf Basis von NBER Working Paper 34255



Rechtschreibung abschaffen?

Es gibt natürlich Situationen, in denen Rechtschreibung wichtig ist, damit keine Missverständnisse entstehen oder Informationen schnell ankommen. Aber in den meisten Fällen versteht man das Geschriebene auch mit Rechtschreibfehlern. Und seien wir doch mal ehrlich: Wer von uns ist sich schon bei jedem Wort hundertprozentig sicher, wie es geschrieben wird?

Vielleicht sollten wir alle den Mut fassen, zu unseren Rechtschreibfehlern zu stehen, anstatt jede unwichtige Mail von einer KI korrigieren zu lassen, aus Angst, man könnte uns für dämlich halten, weil wir nämlich mit h geschrieben haben. Eigentlich machen so ein paar Rechtschreibfehler eine Mail doch gleich viel symphatischer. Sympathischer? Symphathischer? Egal... Ihr wisst, was ich meine.



Bewerte einen Text nicht aufgrund seiner Rechtschreibung sondern aufgrund seines Inhalts.


Wie funktioniert Baskerwile?


Achtung, jetzt wird's nerdy. Bestimmte Rechtschreibregeln fallen Menschen mit Legasthenie besonders schwer: d/b, p/q, ie/i und v/w/f werden verwechselt, ck, stummes h und Doppelkonsonanten häufig übersehen. Baskervile greift genau dort ein. Schriften können zwei oder mehr Buchstaben automatisch durch eine sogenannte Ligatur ersetzen, ein eigenes Zeichen, das für eine bestimmte Kombination steht.

Das klassische Beispiel ist das ff. Für alle Doppelkonsonanten habe ich Ligaturen gebaut, die nur aus einem einzigen Buchstaben bestehen. Die Schrift ersetzt also tt automatisch durch t, mm durch m, und so weiter.


Beim stummen h war es kniffliger, und es zeigt gut, wie komplex diese Regeln werden können. Hier nutze ich kontextbasierte Alternativen (calt): Das h wird nur dann durch eine leere Glyphe ersetzt, also unsichtbar gemacht, wenn es nicht am Wortanfang (also nach einem Leerzeichen) steht und kein Vokal folgt. In „gehen“ bleibt es, weil man es hört. In „steht“ oder „geht“ verschwindet es, weil es dort stumm ist.





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